Mittwoch, 7. Dezember 2016

Chennai oder so vergeht der Glanz der Welt

Heute Vormittag bin ich von Thiruvananthapuram nach Chennai geflogen, ehemals Madras. Chennai ist die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu, Land der Tamilen, und hat mehr als 8 Millionen Einwohner.
Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel hat ca eine Stunde gedauert und war sehr interessant.
Chennai ist die bei weitem sauberste indische Metropole, die ich bisher gesehen habe. Hier liegt kein Müll oder Schutt am Straßenrand und der Verkehr ist fast europäisch. Nicht so eine vollkommen chaotische Verkehrshölle wie in Dehli, Bombay, Jaipur oder Bangalore.

Das ehemalige Madras war der erste Ort, an dem die britische East India Company im 17. Jahrhundert einen Stützpunkt in Indien gründete. Später war es die britische Hauptstadt für Südindien.

Die muslimischen Eroberer sind nie so weit in den Süden gekommen, weil es hier sehr mächtige Königreiche gab.
Die exportierten seit der Antike und während des Mittelalters fleißig indische Hochkultur nach ganz Südostasien.

Ich habe mich am Nachmittag zum Fort St. George aufgemacht. Dies ist die Festung, die die East India Company gebaut hat.
Der Besuch war recht ernüchternd.

Das Gelände ist zwar zu einer archäologischen Stätte erklärt worden, aber leider komplett dem Verfall überlassen worden. Es gibt ein kleines British Army Museum, aber das ist nicht der Rede wert.

Das Fort St. George ist eine archäologische Stätte

Alte Kanone vor dem British Army Museum


Die verfallende Festungsmauer


Hic transit gloria mundi....


...oder so vergeht der Glanz der Welt





Breite Boulevards in Chennai

Verkehr fast wie in Europa

Morgen mache ich einen Ausflug nach Mamallapuram. Dieser Ort liegt etwa 70 km entfernt und ist eine Weltkulturerbestätte. Morgen Abend dazu mehr.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Kafka in Kerala

Tja, so eine Indien-Reise birgt immer wieder ungeahnte Überraschungen. Da ich morgen früh nach Chennai fliege und demzufolge heute meine letzten Anwendungen hatte, hat mich der Ayurveda-Arzt zu einer Schlussbesprechung eingeladen.
Die verlief sehr kurios. Zunächst fragte er mich, wie es mir gefallen habe und ob ich mich besser fühlen würde.
Dann kam das Offensichtliche: Ich müsste dringend mein Gewicht reduzieren und weiter den eingeschlagenen Weg beschreiten. Solle mich vegetarisch und salzarm ernähren, kalte Getränke meiden usw.

Und dann kam er zum Punkt, den er eigentlich mit mir diskutieren wollte. Er zog den Prozess von Franz Kafka aus der Schublade, in der englischen Übersetzung natürlich. Und dann erklärte mir der indische Arzt, dass er ein großer Fan der großen deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts sei: Kafka, Thomas Mann (I have read the Magic Mountain und the Buddenbrooks), Herrmann Hesse und Günter Grass. Und nun wollte er ein bisschen mit mir über deutsche Literatur plaudern.
Mann, wenn der wüßte, wie sehr ich Kafka und Thomas Mann in der Schule hassen gelernt habe. Hesse habe ich nie gelesen und auch Grass nur in der Schule.
Ich wollte den Mann nicht enttäuschen.
Schließlich bin ich Berater und weiß, wie das geht: Sicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit.
Ich habe zwar so gut wie nichts von den genannten Autoren gelesen, aber dank meines guten Gedächtnisses (eine typische Kapha-Eigenschaft übrigens) konnte ich den armen Mediziner mit einigen Anekdoten aus den Leben dieser Literatur Giganten beeindrucken.
Dann lenkte ich das Gespräch auf Autoren, die ich gelesen habe und die er nicht kannte und gab ihm noch die Empfehlung, mal ein Buch von Heinrich Mann zu lesen. Er wusste nicht, dass Thomas Manns Bruder auch ein großer Schriftsteller war und war glücklich.

Als ich rausging, strahlte er wie ein Honigkuchenpferd und er hatte den Eindruck, soeben einem Wiedergänger von Reich-Ranicki gegenüber gesessen zu haben.

Dieser Ayurveda-Schuppen (Dr. Franklins Panchakarma Institute) scheint gut zu laufen. Der Arzt ist nicht nur Fan deutscher Literatur sondern auch deutscher Automobile.
Der Gute fährt einen niegelnagelneuen knallroten Mercedes A180. Autos mit dem Stern sieht man in Indien recht selten.

Wir haben heute einen Ausflug zu einem Elefanten-Sanatorium gemacht. Dort werden kranke und psychisch auffällige Dickhäuter gepflegt und gepäppelt.

Unser Fahrer kannte sich gut mit indischer Landwirtschaft aus und hat uns einiges Interessantes am Wegesrand gezeigt.

Kokosstücke werden am Straßenrand getrocknet. Dann läßt sich das Öl besser gewinnen


Ein Tapioka-Feld

Aus diesen Knollen wachsen Bananenstauden

Eine Pfefferpflanze rankt sich einen Baum hoch

Unreife Pfefferkörner

Eine Bäuerin bietet ihre Tapioka-Wurzeln am Straßenrand an

Der Elefant wird mit Kraftfutter gepäppelt. Der ältere Wärter drückt einen dünnen Stock auf den Fuß des Dickhäuters und der hält dann still

Dieser Elefant schleppt seine Portion Palmenzweige mit dem Rüssel

Dieser Baby-Elefant spielte unermüdlich mit dem Gummireifen. Er tollte dabei umher wie ein kleiner Hundewelpe. Meeeeegaaaaa-Niedlich!!


Morgen vormittag fliege ich nach Chennai, die Hauptstadt von Tamil Nadu. Dann trennen sich Gerlinds und meine Wege. Gerlind wird noch hier in Kerala bleiben und weiter Ayurveda und Yoga machen.

Montag, 5. Dezember 2016

Horrorstrände in Kovalam

Wir haben heute mal einen kleinen Abstecher in den Badeort Kovalam gemacht.
Auf der Fahrt dorthin fiel uns auf, dass die Strassen hier in Kerala sehr viel besser sind als sonst in Indien.
Angeblich liegt das an der kommunistischen Regierung dieses Bundesstaats. Diese Herrschaften sind offensichtlich lange nicht so korrupt wie die übrigen indischen Politiker und deshalb fliessen die Staatsgelder tatsächlich in die Infrastruktur.
Auch in die Bildung wird investiert, Kerala ist der indische Bundesstaat mit der niedrigsten Rate an Analphabeten.
Das hat der verstorbene Fidel Castro ja in Kuba genauso gemacht.

Weltenretter unter sich: Shiva und Fidel
Mein Reiseführer schreibt über Kovalam, dass die wunderschönen Strände hier von Hippies entdeckt worden sind, die dann eine Zeitlang ein Blumenkinderparadies daraus gemacht haben.
Aber das böse, böse Kapital in Form internationaler Tourismuskonzerne hätte dem bunten Treiben nicht tatenlos zugesehen und das verschlafene Nest gewissermaßen in einen indischen Ballermann verwandelt. Die Strände wären mit Billighotels zugepflastert und die Traumstrände schwarz vor Touristen.

Wir haben uns heute zwei dieser Horrorstrände angeschaut, seht selbst:











Es soll noch zwei weitere Strände geben, wer weiss, wie die sind, aber diese beiden Strände sind weder zugebaut noch überfüllt. Nicht das erste Mal, dass der Reiseführer Reise Know How tüchtig schwächelt.

Es gibt allerdings keinerlei Schatten am Strand und die Anzahl der Sonnenschirme ist denkbar gering.
Auf der anderen Seite ist Kovalam aber ein ziemlich häßlicher Ort. Dafür hat das Meer 30 Grad und hat tolle Brandung.

Für die wenigen Liegen und Sonnenschirme werden stolze Preise aufgerufen. Zwei Liegen und ein Schirm kosteten 150 Rupien pro Stunde, 2 Euro. Und absolut nicht verhandelbar.

Die wissen ganz genau, dass man als hellhäutiger Europäer ohne Schatten im Nu einen fiesen Sonnenbrand hat.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Die Legende vom Gelben Maharadscha

Die Menschen hier in Kerala erzählen sich eine uralte Legende:

Vor langer, langer Zeit kam ein Mann aus einem fernen Land nach Kerala. Das Land war unvorstellbar reich und die Straßen sollen mit Gold gepflastert gewesen sein. Der Reisende kam den Menschen in Kerala auch reich wie ein Maharadscha vor, denn er achtete nicht auf die Rupien. Und es kümmerte ihn nicht im Mindesten, dass er ständig viel höhere Preise als die Keraler bezahlen musste. Er lächelte darüber.

Der Reisende war eingebildet und hoffärtig und er hielt sich für einen Weisen. Er hatte jahrelang die Wissenschaften studiert, kannte die Geheimnisse der Zahlen und er hatte mehr als 1000 Bücher gelesen. Und in einem kleinen geheimnisvollen weißen Kasten trug er das gesamte Wissen der Welt mit sich.

Er glaubte von sich, alles zu wissen, und das meiste davon auch noch besser.

Dieser Mann kam zu einem Ort, wo die uralte Heilkunst Ayurveda praktiziert wurde. Und die Heilkundigen boten an, ihn von seinen Zipperlein zu befreien.

Der Reisende lachte hochmütig und sprach: "In meiner reichen Heimat benutzen die Heilkundigen Maschinen und Apparate und sie lassen alles in wissenschaftlichen Laboren messen. Ihr macht hier doch bloß Hokuspokus!"

Doch er ließ sich überreden, sich in Kerala behandeln zu lassen.

Und die Heilkundigen begannen, den Reisenden täglich zu massieren, mit Kräuterölen zu salben, mit Kräuterstempeln zu pressen. Sie gaben ihm  pflanzliche Arzneien nach jahrtausende alten Rezepten und sie bereiteten seine Mahlzeiten speziell für ihn mit besonderen Kräutern und Gemüsen zu.

Und schon nach wenigen Tagen spürte der Reisende, dass ihm die Behandlungen gut taten und es ihm viel besser ging. Und er sah seinen Hochmut ein.
Kleinlaut erklärte er den Keralern, wie falsch er gelegen hatte und wie gut ihm ihre Heilkunst täte.

Darüber freuten sich die Keraler und weil die Haut des Reisenden mittlerweile durch die Kurkuma-Packungen aussah wie Currypulver, nannten sie den Reisenden von nun an den Gelben Maharadscha.


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Tja, was soll ich sagen. Wer mich kennt, weiß, dass ich für Aberglauben und Esoterik nichts übrig habe. Und genau so habe ich Ayurveda eingeschätzt.

Ich muss aber zugeben, dass mir der Aufenthalt in diesem Ayurvedahotel sehr gut tut. Die Verspannungen in der Schulter und in den Füßen werden immer besser.
Ich scheine ein bisschen an Gewicht zu verlieren und fühle mich ganz außerordentlich wohl.
Liegt es daran, dass dieses Hotel in einer Seitenstraße eines kleinen Dorfes liegt und man nachts bei geöffnetem Fenster nur Vogelgezwitscher und das Zirpen der Grillen hört?
Man kann hier recht gut relaxen.

Ich persönlich werde in Zukunft jedenfalls nicht mehr hochmütig auf die Heilkunst Ayurveda hinabblicken.

Samstag, 3. Dezember 2016

Zu Besuch in den Backwaters

Kerala liegt ganz im Süden von Indien und ist nach Goa der zweitkleinste indische Bundesstaat. Aber was heißt schon klein? 550 km in Nord-Süd-Richtung und 150 km breit, sooo klein ist das auch wieder nicht. Kerala bedeutet in der Landessprache Malayalam "Land der Kokospalmen", das ist auch nicht übertrieben. Die Kokospalme gibt den Menschen Fruchtfleisch, Fruchtwasser, Pflanzenfasern, Öl, Brennstoff, Bauholz und Blätter zum Dachdecken.

Kerala wird zur Zeit übrigens von der demokratisch gewählten Communist Party of India (Marxist) regiert. Deshalb sieht hier an den Straßen wohl auch Plakate mit Fidel Castro und Fahnen mit Che Guevara.

Der alte Genosse Che Guevara wird auch in Kerala verehrt

Es gibt hier in Kerala ein weitverzweigtes Netz von Lagunen, Flüssen und Seen, die durch viele jahrhundertealte Kanäle miteinander verbunden sind. Dieses Netz von Wasserstrassen ist als Kerala Backwaters bekannt.

Diese Wasserwege liegen in einer üppigen tropischen Landschaft und es wimmelt hier von Vögeln aller Art.

Wir sind heute morgen zu einer ausgedehnten Bootstour aufgebrochen und uns die wunderschönen Backwaters mal angeschaut.

Hier einige Impressionen aus den Backwaters:


Hier ist der Fluss noch breit

Nicht alle Wasservögel sind weiß

Kleinste Inseln in der Wasserwelt



Kerala - Land der Kokospalmen

Ein Adler (!!) vor dem Elephant Rock

Indische Angler

Diese Herren sind Fischer






Der Pilotenstreik hat den Kranich auf die Palme gebracht :-)

Ein Reiher

Landestypische Boote

Ein Schlangenhalsvogel plustert sich auf

Die Wasserwege...

...werden enger....

...und immer dichter bewachsen...

...Dschungel....

Wem dieser Herr hier wohl seine Kokonüsse verkaufen will?

Der wunderschöne Kingfisher

Freitag, 2. Dezember 2016

Mariniertes Schnitzel

Auch der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Ayurveda Anwendungen. Vor den Mahlzeiten musste ich jeweils eine bitter pfeffrige Ayurveda-Medizin schlürfen.

Ich wurde stundenlang massiert und durchgewalkt, mit Kräuteröl und Kräuter pudern eingerieben und anschließend auch noch mit glühend heißen Stempeln weich geklopft. Ich kam mir vor wie ein mariniertes Schnitzel auf meinem Grill.

Ich musste eine Stunde warten, bevor ich das Kräuteröl abduschen durfte und wurde zu diesem Zweck in ein grünes indisches Gewand gehüllt und bekam eine Art Turban auf, damit das fettige von Öl triefende Haar nicht alles voll kleckerte.



Morgen früh werden wir wieder etwas unternehmen. Wir werden in die Backwaters fahren. Dazu morgen abend mehr.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Ayurveda

Gestern sind wir von Mysore nach Thivanantanthapuram gereist. Erst 4 stunden lang mit dem Wagen über indische Landstraßen und dann mit Jet Airways von Bangalore nach Kerala geflogen. Leider hatte der Flug 3 Stunden Verspätung so dass wir erst um 23:30 Uhr im Ayurveda Hotel ankamen.

Ayurveda ist eine 5000 Jahre alte indische Gesundheitswissenschaft, die hier in Indien den gleichen Stellenwert hat wie die westliche Schulmedizin, vielleicht sogar einen höheren. Viel ayurvedisches Wissen  ist in den Jahrhunderten der muslimischen und britischen Fremdherrschaft verlorengegangen und wird heute durch moderne Ayurveda Forschung wiederhergestellt.

Ein Ayurveda Arzt hat eine Anamnese durchgeführt und uns bestimmten Ayurveda Typen zugeordnet. Ich bin ein Kapha.
Das sind die Guten, die Schönen, die Schlauen, die Erfolgreichen die, die so sind, wie jeder sein möchte.
Gerlind ist eine Vatha.

Scherz beiseite.
Viele der Eigenschaften, die diesen Ayurveda Typen zugesprochen werden, treffen tatsächlich auf uns zu.
Wir bekommen nun täglich Behandlungen für unsere Zipperlein und im Restaurant sind am Buffet für jeden dieser Ayurveda Typen spezielle Gerichte zur Auswahl.

Heute bekamen wir schon Stunden lange Kräuteröl Massagen und Kräuterstempel Behandlungen. Sehr wohltuend.

Ein echter Wermutstropfen allerdings ist die ayurvedische Überzeugung , dass kalte Getränke schädlich sind. Es gibt hier im Restaurant keine gekühlten Getränke.

Und das bei sehr schwülen 32 Grad.

PS: heute komme ich nicht mit dem Notebook ins Internet sondern nur mit dem Smartphone. Tippfehler sind der kleinen Tastatur geschuldet, Kommmafehler übrigens auch.
Die Google Spracheingabe bedarf nämlich der Korrektur.